Von den 70er Jahren bis heute

Bis in die 70er Jahre fand der Unterricht im Augartenpalais statt. Dann gelang Hofrat Tautschnig der Erwerb einer dem Augartenpalais unmittelbar benachbarten Bundesparzelle, auf der ein Schulgebäude mit ausreichenden Lehr-, Studien- und Freizeiträumen sowie einem Turnsaal und einem Schwimmbecken errichtet werden konnte.

Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Neugründung der Wiener Sängerknaben wurde dieses Gebäude am 14. Mai 1974 seiner Bestimmung übergeben. Damals war seit rund zehn Jahren bereits Mag. Johann Grabner Schulleiter. Im 2. Stock befanden sich drei Klassenräume, ein Zeichensaal, der auch für den Werkunterricht genützt wurde, der Physiksaal mit zugehörigem Lehrmittelzimmer, die Büros des Schulleiters und seines Stellvertreters und das Lehrerzimmer. Im 3. Stock gab es vier Klassenzimmer, die Biologiesammlung und eine (bescheidene) Sammlung von Wandkarten für den Geographie- und Geschichteunterricht. Weiters waren im 2. und 3.Stock Übungszimmer für den Instrumentalunterricht untergebracht. Der Turnsaal im 4. Stock und das Schwimmbad im Erdgeschoß sind bis heute in Verwendung. Die Schlaf- und Studierräume wurden in das Palais verlegt.

Nachfolger Grabners als “pädagogischer Leiter der Wiener Sängerknaben” wurde ab 1976 Mag. Günter Barnert. Nach dessen plötzlichem Tod im Juli 1988 wurde die Aufgaben des Schulleiters durch OSR Herbert Bauer provisorisch wahrgenommen. Ab November 1988 übernahm Mag. Heinz Strahser die Leitung. Ihm folgte ab Herbst 1990 OStR Mag. Helge Wernicke als Schulleiter bis zum Sommer des Jahres 2000.

Durch die Konzertreisen der vier Chöre bedingt, gliederte sich in diesen Jahrzehnten der Ablauf des Schuljahres für gewöhnlich wie folgt:

Von September bis Dezember befanden sich jeweils zwei Chöre auf Tournee, die anderen beiden absolvierten in dieser Zeit das 1. Semester und legten die Semesterprüfungen im GRg VIII, Albertgasse, ab. Für die Chöre, die im Herbst auf Tournee waren, dauerte das 1. Semester von Jänner bis März, während die anderen beiden auf Reisen gingen. Von April bis Juni waren alle vier Chöre in Wien und absolvierten gemeinsam das 2. Semester. Die Semesterprüfungen im März und die Jahresschlussprüfungen Ende Juni wurden ebenfalls im GRg VIII abgelegt.
War hingegen eine Frühjahrstournee (April bis Juni) geplant, so dauerte das 1. Semester wie normal von September bis Dezember, das zweite Semester wurde für den betreffenden Chor jedoch sofort angeschlossen, sodass dieser bereits Ende März das Schuljahr beendete.

Diese Art der Semestereinteilung hatte zur Folge, dass bei gleichzeitiger Anwesenheit aller vier Chöre ein vermehrter Bedarf an Klassenräumen bestand. Meist wurden für diesen Zweck Räume im Augartenpalais, das durch zwei gedeckte Übergänge mit dem erwähnten Neubau verbunden ist, herangezogen.

Der Lehrkörper bestand aus einer wechselnden Anzahl von Damen und Herren, von denen einige nur am Institut der Sängerknaben beschäftigt waren, andere neben ihrer Tätigkeit an einer öffentlichen Schule auch einige Stunden an der Privatschule der Wiener Sängerknaben unterrichteten. Die erforderliche Anzahl der Lehrkräfte richtete sich nach der Zahl der jeweils in Wien anwesenden Chöre und damit der unterschiedlichen Zahl der Klassen.

Mit Beginn des Schuljahres 2000/01 wurde dem Privatgymnasium der Wiener Sängerknaben das Öffentlichkeitsrecht verliehen, was ein Ende der Externistenprüfungen im GRg Albertgasse bedeutete und auch in der schulinternen Organisation einige Veränderungen mit sich brachte.

Das Schulgebäude wurde mit Hilfe des privaten Sponsors Dipl.Ing. Pühringer und aus Mitteln der öffentlichen Hand renoviert und neu adaptiert. Das hatte zur Folge, dass die Klassenräume vom Zubau in den 2.Stock des Augartenpalais verlegt wurden und die Schlafräume in den Zubau. Die Renovierungsarbeiten wurden im Herbst 2003 abgeschlossen.

Schulleiter (mit dem Titel “Direktor”) war von Herbst 2000 bis zum Sommer 2003 HR Mag. Herbert Stepanek. Im Jahre  2003 übernahm  HR Mag. Markus Blauensteiner diese Funktion.

Im Jahre 2009 konnte eine komplett neue Bibliothek errichtet werden. Zu den Kosten leistete die Firma EMSER einen wesentlichen Beitrag. Die restlichen Kosten wurden von Seiten des Vereines getragen.

Im Schuljahr 2010/11 wurde das Bildungsangebot wesentlich erweitert: Der Verein der Wiener Sängerknaben bietet auch ein Oberstufenrealgymnasium mit Schwerpunkt Vokalmusik für Burschen und Mädchen an. Das ORG wird als private Ganztagsschule mit Öffentlichkeitsrecht geführt. Auch dieser Teil der Wiener Sängerknaben bildet einen vierstimmigen Chor, den „Chorus Juventus“. Seit dem Jahr 2013 gibt es auch einen Kammerchor.

Im Juni des Jahres 2014 fand in der über 500-jährigen Geschichte der Wiener Sängerknaben die erste Matura statt. Das Ziel, eine durchgängige Bildungseinrichtung mit dem Schwerpunkt „Gesang“ zu etablieren, wurde erreicht und wird hoffentlich in Zukunft Heimstätte vieler angehender Musikerinnen und Musiker sein.

Am 30. Juni 2017 ging HR Mag. Markus Blauensteiner in den Ruhestand und MMag. Hans Christian Granaas übernahm die Leitung des Gymnasiums.