50er und 60er Jahre

Anfang Juni 1945 eröffnete Rektor Schnitt in der Hofburg “ wie in den Anfängen “ wieder ein Internat mit Schulbetrieb. Er begab sich aber sehr bald auf die Suche nach einer neuen Bleibe für die Wiener Sängerknaben und fand sie 1947 im Augartenpalais (2. Bezirk), das allerdings durch den Krieg stark beschädigt war. Rektor Schnitt ließ das Gebäude renovieren und bereits ein Jahr später bezogen die Schüler ihr neues Heim.

Der Unterricht erfolgte in der privaten Mittelschule und Hauptschule des Institutes. Die Knaben wurden von 30 Lehrern völlig individuell betreut, da eine Klasse im Durchschnitt nur 4 bis 5 Schüler umfasste. Der Lehrstoff wurde auf 7 Monate aufgeteilt, 2 Monate gehörten dem (schulischen) Urlaub, 3 Monate den Konzertreisen. Die Prüfungen wurden zweimal im Jahr an öffentlichen Mittelschulen abgelegt.

Da jeder der 4 Chöre durchschnittlich mindestens drei Monate (oft auch länger) auf Tournee ging, konnte nur ein institutseigener Privatunterricht, der sich den Reiseplänen elastisch anpasste, für eine optimale Betreuung aus schulischer Sicht sorgen.
Jeder Chor begann nach der Rückkehr von der Reise mit einem neuen Semester. Da zwei Chöre immer gleichzeitig unterwegs waren, gab es stets zwei Schulturnusse.

Am 26. September 1955 verstarb Rektor Josef Schnitt.
Sein Nachfolger als Direktor der Wiener Sängerknaben wurde Hofrat Dr. Walter Tautschnig sen. “ selbst ehemaliger Sängerknabe in der Zwischenkriegszeit, später Präfekt im Haus, dann in der Landesregierung Kärntens tätig und seit längerem schon Mitarbeiter, Ratgeber und Vertrauter von Rektor Schnitt. Durch die geänderten Zeitumstände notwendig gewordene Veränderungen in Organisation und Gefüge des Institutes mussten nun von ihm in die Wege geleitet werden. Rechtliche Grundlage war nun der “Verein Wiener Sängerknaben”, dessen Präsident Hofrat Tautschnig wurde.

Was den Schulbereich betraf, wurden die Prüfungen im Rg VIII., Albertgasse abgelegt und als Schulleiter für den institutseigenen Privatunterricht ein Professor eines öffentlichen Gymnasiums als “Pädagogischer Leiter der Wiener Sängerknaben” bestimmt. Anfang der 60er Jahre war Dr. Ewald Seifert in dieser Funktion tätig, nach ihm Mag. Johann Grabner.