Dialog im Dunkeln

4.4.2011, von Angela Brychta (Allgemein)

Am Mittwoch, den 30. März 2011 tauchten die Schüler der vierten Klasse in eine dem Alltag völlig fremde Welt der Wahrnehmung ein. Als Abschluss des Kapitels „Auge“ in Biologie und des Kapitels „Optik“ in Physik besuchten sie gemeinsam mit den Professorinnen Lichtl und Brychta die ausschließlich von Blinden geführte Ausstellung „Dialog im Dunkeln“.
Zunächst erhielten wir eine Einschulung in der Verwendung des Blindenstocks, um uns in den komplett abgedunkelten Räumen zurechtfinden zu können. An einer Wand entlang tastend unternahmen wir schließlich einen Erkundungsgang, beispielsweise über einen Fluss, eine Wiese, durch einen Wald, alles jeweils unseren übrigen intakten Sinnen folgend. Da kam es schon vor, dass jemand das eine oder andere Mal gegen einen Strauch oder Baum lief. Doch die absolut routinierten Mitarbeiter, die uns durch die Landschaften führten, beschrieben genau, worauf wir achten konnten und worauf wir uns konzentrieren sollten. Nach einem Spaziergang durch den Wald kamen wir von Meeresrauschen begleitet an einen Strand. Bald war auch unser Geruchssinn an einem afrikanischen Marktstand gefordert.
In der Stadt angekommen, überquerten wir eine Straße, liefen nahezu nicht gegen die parkenden Autos und betraten ein Geschäft, wo wir verschiedenste Gegenstände ertasteten, alles alltägliche, selbstverständliche Handlungen, die plötzlich wesentlich Zeit und Geschick erforderten.
Weiter ging es in der Wiener Kanalisation mit einer Fahrt auf einem Schnellboot. Gottseidank gab es genügend Sitzplätze. Als Erholung besuchten wir zum Abschluss die Bar, in der wir uns mit Erfrischungsgetränken gestärkt mit dem Barkeeper unterhielten und herausfanden, wie er denn die verschiedenen Geldmünzen und –scheine voneinander unterscheiden kann.
Es war für alle eine Herausforderung, eine Frage des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten. Die Erkenntnis, sich darauf verlassen zu können, dass neben dem Sehen auch die übrigen Sinne funktionieren, erlebten wir am eigenen Körper. Wir lernten mit der Dunkelheit besser umzugehen und wie viel zusätzliche Sinneseindrücke eigentlich im Alltag auf uns einwirken. Es ist verwirrend, zu viele Stimmen oder Geräusche zu hören, aber man lernt mit der Zeit, sie besser voneinander unterscheiden zu können.
Es war ein faszinierendes und beeindruckendes Erlebnis, das uns die Facetten unserer Wahrnehmung deutlich gemacht hat. Mit viel Respekt vor sehbehinderten Menschen und von Dankbarkeit erfüllt, kehrten wir wieder in den Augarten zurück.